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Erschwerniszuschläge

Besondere physische und psychische Belastungen bei der Arbeit müssen mit Erschwerniszuschlägen honoriert werden, wenn sie nicht durch geeignete Maßnahmen vermieden oder anders kompensiert werden können. Dies kann entweder beim Grundentgelt im Rahmen der Arbeitsbewertung oder durch eine Zuschlagsregelung geschehen. Grundsätzlich lassen sich zwei Belastungsarten unterscheiden:

1. Körperliche Belastungen
"Bei der Bestimmung der Schwere der körperlichen Belastung sind alle Umstände zu berücksichtigen, die auf den Menschen belastend einwirken und zu körperlichen Reaktionen führen können. Es zählt nicht nur das Ausmaß der Muskelbeanspruchung", so ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts 27.04.1988 (4 AZR 707/87). Dazu zählen:  

  • Belastungen der Muskeln
  • Belastungen aus Umgebungseinflüssen, z.B. Verschmutzung, Temperatur, Nässe, Säure, Gase, Lärm, Licht/Lichtmangel, hinderliche Schutzkleidung, Unfallgefährdung etc.

2. Psychische Belastungen
Die DIN EN ISO 10075 definiert psychische Belastungen als "die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken". Sie führen zu Stress und psychischer Ermüdung und können ihre Ursachen haben in:

  • der Arbeitsaufgabe, z.B. durch Über- oder Unterforderung, höchste Aufmerksamkeit und Konzentration, stetige Bereitschaft zum Eingreifen
  • organisatorischen Arbeitsbedingungen, z.B. ungünstige Lage und Dauer der Arbeitszeiten sowie der Belastung
  • sozialen Arbeitsbedingungen, z.B. Konflikte mit Kundinnen und Kunden, Konfrontation mit Problemen und Leid anderer oder ekelerregenden Situationen
  • physikalischen Arbeitsbedingungen, z.B. häufige, aber unkalkulierbare Erschwernisse

Ob Erschwernisse, Belastungen und Gefährdungen an einem Arbeitsplatz vorliegen, lässt sich aus einer geeigneten Arbeitsbeschreibung ableiten.

Prüffragen
Um Benachteiligung zu vermeiden, müssen Erschwernisse am Arbeitsplatz geschlechtsneutral erfasst und bewertet werden. Mit eg-check.de können Sie überprüfen, ob gleiche oder gleichwertige Erschwernisse bei Frauen und Männern in Ihrem Unternehmen auch gleich bezahlt werden.

Anzeichen für eine Entgeltdiskriminierung:

  • Erschwernisse an Arbeitsplätzen von weiblichen Angestellten und Arbeiterinnen werden weder beim Grundentgelt noch bei den Zuschlägen berücksichtigt.
  • Erschwernisse und ihre Ausprägung werden nur uneindeutig beschrieben.
  • Für weiblich dominierte Beschäftigtengruppen werden ungünstigere Berechnungsformen angewendet.
  • Die Höhe der Zuschläge ist nicht eindeutig geregelt oder (als Prozentsatz) an die Entgeltgruppe gekoppelt.
  • In Tätigkeitsbereichen, in denen gleiche Erschwernisse vorliegen, werden Erschwerniszuschläge überwiegend männlichen Beschäftigten gezahlt.
  • In (weiblich dominierten) Beschäftigungsbereichen, in denen Erschwernisse vorliegen, werden keine entsprechenden Zuschläge gezahlt.

Prüfinstrumente auswählen
Als Einstieg eignet sich eine Überprüfung der Erschwerniszuschläge mittels einer Statistik. So erhalten sie auf betrieblicher Ebene ein Überblick über die Zahlung von Erschwerniszuschlägen und Hinweise auf mögliche Benachteiligungen. Geht es um die Prüfung von konkreten Einzelfällen, in denen bereits ein Verdacht auf Benachteiligung besteht, sollte der Paarvergleich eingesetzt werden. Für eine Überprüfung der tariflichen oder betrieblichen Regelungen zur Zahlung von Erschwerniszuschlägen dient der Regelungs-Check

Daten aus Ihrem Unternehmen können Sie mit Hilfe von Excel-Musterbögen für Statistiken, Paarvergleiche und Regelungs-Check überprüfen. Bei den Regelungs-Checks ergibt sich die Auswertung aus den kurzen erläuternden Texten im Fragebogen selbst. Beim Ausfüllen und Auswerten der Statistik- und Paarvergleichstabellen helfen die Anwendungsbeispiele.

Musterbögen für Erschwerniszuschläge herunterladen (zip)

 

Anwendungsbeispiele für