Statistiken für Leistungsvergütungen

Wenn Sie die Leistungsvergütungen mittels einer Statistik auf Diskriminierung hin überprüfen möchten, benötigen Sie folgende Daten aus Ihrem Unternehmen/einer Abteilung:

  • Anzahl der Beschäftigten, gesamt und untergegliedert nach Männern und Frauen, Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten, Entgeltgruppen (zusammengefasst zu Gruppen)
  • Anzahl der Empfänger/innen von Leistungsvergütung, ebenfalls untergliedert in die bereits genannten Gruppen
  • durchschnittliche Höhe der gezahlten Leistungsvergütung, untergliedert in die bereits genannten Gruppen

Die Untergliederung nach Entgeltgruppen kann Ihnen Anhaltspunkte dafür liefern, ob untere Tarifgruppen (mit überwiegend weiblichen Beschäftigten) benachteiligt bzw. obere Tarifgruppen (mit überwiegend männlichen Beschäftigten) begünstigt wurden. Ebenso zeigt die Aufschlüsselung nach Betriebsbereichen, ob und wo ungleiche Verdienstchancen beim Leistungsentgelt bestehen.

Anwendungsbeispiel

In einem Unternehmen werden die folgenden Leistungsvergütungen gezahlt:

Die beispielhaft gewählte Statistik kann Folgendes zeigen:

  • Vollzeitkräfte/Teilzeitkräfte: Von den 700 Vollzeitkräften erhielten 500 (71 %) eine Leistungsvergütung, von den 300 Teilzeitkräften jedoch nur 100 (33 %). 70% aller beschäftigten Männer, jedoch nur 50% aller beschäftigten Frauen erhielten eine Leistungsvergütung.
  • Männliche/weibliche Teilzeitkräfte: Von den 20 Männern erhielten 10 (50 %) eine Leistungsvergütung, von den 280 teilzeitbeschäftigten Frauen nur 90 (32 %). Weiteren Prüfbedarf gibt es auch bezüglich der Höhe: Hier schnitten die weiblichen Teilzeitkräfte mit 500 Euro schlechter ab als die männlichen.
  • Männliche/weibliche Vollzeitkräfte: 340 von 480 Männern erhielten eine Leistungsvergütung (71 %) von durchschnittlich 1.500 €. Bei den Frauen bekamen 160 von 220 Frauen eine Leistungsvergütung (72 %), im Durchschnitt betrug sie 1.200 €.
  • Aufschlussreich kann auch die Untersuchung unterschiedlicher Bereiche sein, in denen mehrheitlich Frauen oder mehrheitlich Männer beschäftigt sind, beispielsweise die Bereiche Produktion und Verwaltung. Im männerdominierten Produktionsbereich erhielten 89% der Beschäftigten eine Leistungsvergütung, im frauendominierten Verwaltungsbereich nur 61%. Und auch innerhalb der beiden Bereiche zeigt sich, dass Frauen seltener Leistungsvergütung erhalten. In der Produktion erhielten 720 von 800 Männern eine Leistungsvergütung (90%) und 80 von 100 Frauen (80%). In der Verwaltung erhielten 7 der 10 Männer (70%) und 54 der 90 Frauen (60%) eine Leistungsvergütung. Die Leistungsvergütung der Frauen lag in der Verwaltung im Durchschnitt um € 200,00 unter der Leistungsvergütung der Männer.

Derart gravierende Unterschiede zwischen Frauen und Männern, Voll- und Teilzeitbeschäftigten beim Bezug von Leistungsvergütung, wie im Beispiel erfasst, lassen sich nicht plausibel mit Unterschieden in der individuellen Leistung begründen, da unterstellt werden kann, dass Frauen im Durchschnitt nicht weniger leistungsfähig sind als Männer. Desgleichen dürften auch Teilzeitkräfte nicht durchschnittlich weniger leistungsfähig sein als Vollzeitkräfte. Insofern ist eine Prüfung der Ursachen auf der Einzelfallebene erforderlich.