Paarvergleich bei Überstundenvergütung

Der Paarvergleich bietet die Möglichkeit, Ungleichbehandlung auf individueller Ebene sichtbar zu machen. Für einen Paarvergleich können Sie zwei Beschäftigte aus Ihrem Unternehmen auswählen, die eine gleiche oder gleichwertige Tätigkeit ausüben. Von diesen Personen benötigen sie zur Überprüfung der Überstundenvergütung folgende Daten:

  • Grundvergütung gemäß der (tariflichen) Regelung (Entgeltgruppe und Stufe) auf Vollzeitbasis
  • individuell vereinbarte Wochenarbeitszeit
  • geleistete Überstunden, aufgegliedert nach zusätzlichen Arbeitsstunden bis zur regulären Voll-Arbeitszeit und darüber hinaus 
  • gezahlte Überstundenvergütung, aufgegliedert in Grundvergütung und Zuschlag gem. Regelung

Anwendungsbeispiel

Eine Teilzeitbeschäftigte und ein Vollzeitbeschäftigter sind in Entgeltgruppe 3 in die gleiche Stufe eingruppiert. Sie hat in einem bestimmten Zeitraum bis zur regulären Arbeitszeit 187,5 Überstunden geleistet und darüber hinaus zusätzlich 62,5 Überstunden. Der vollzeitbeschäftigte Mann hat 62,5 Überstunden geleistet. Nach der unterstellten Tarifregelung gelten nur die über die reguläre Arbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten (37,5 Stunden/Woche) hinaus geleisteten Arbeitsstunden als zuschlagspflichtige Überstunden, d.h. nur für diese Stunden werden Überstundenzuschläge in Höhe von 30% vergütet. Für die 187,5 Mehrarbeitsstunden, die die Teilzeitbeschäftigte bis zur regulären Vollzeit-Arbeitszeit erbracht hat, wird lediglich die Grundvergütung gezahlt.

Entsprechend der oben aufgezeigten unterschiedlichen Rechtsstandpunkte können zwei Aspekte von Ungleichbehandlung geprüft werden:

  • Entspricht die tatsächliche Vergütung von Überstunden der tariflichen Regelung oder wird die Teilzeitkraft bei der Grundvergütung oder beim Zuschlag benachteiligt?
  • Inwieweit benachteiligt die Tarifregelung die Teilzeitbeschäftigte, indem ihr nur für die 62,5 Überstunden ein Zuschlag von 30% bezahlt wird?

Um beide Fragen beantworten zu können, werden im folgenden Paarvergleich die Grundvergütung für die Überstunden sowie der Überstundenzuschlag von Frau und Mann - jeweils auf Stundenbasis umgerechnet - miteinander verglichen. Ob eine Ungleichbehandlung vorliegt, richtet sich nach dem Rechtsstandpunkt, der eingenommen wird.


Der Paarvergleich zeigt, dass Teilzeit- und Vollzeitkraft

  • hinsichtlich der Grundvergütung der Überstunden gleich behandelt wurden: Teilzeitkraft 12,04 € x 250 Std. = 3.010,00 €; Vollzeitkraft 12,04 € x 62,5 Std. = 752,50 €
  • hinsichtlich der Zuschlagsregelung tarifgerecht und nach herrschender Rechtsauffassung gleich entlohnt wurden, denn beide erhielten für 62,5 Überstunden einen Zuschlag von insgesamt 225,75 € (30% Zuschlag = 3,612 €/Std. x 62,5 Std.).

Betrachtet man jedoch die durchschnittlich für die geleisteten Überstunden gezahlte Vergütung, so zeigt sich, dass die Teilzeitbeschäftigte, bedingt durch die Zuschlagsregelung, einen geringeren Stundensatz erhalten hat als der Vollzeitbeschäftigte, nämlich 12,94 € im Unterschied zu 15,65 €. Wird im Sinne einer kritischen Rechtsauffassung davon ausgegangen, dass die Teilzeitbeschäftigte auch für die bis zur regulären Arbeitszeit geleisteten Überstunden einen Zuschlag von 30 % hätte erhalten müssen, ergäbe sich ein Anspruch auf eine Nachzahlung in Höhe von 677,25 € (30 % Zuschlag für 187,5 Überstunden = 3,612 €/Std. x 187,5 Stunden).