Paarvergleich für Erschwerniszuschläge

Der Paarvergleich bietet die Möglichkeit, Ungleichbehandlung auf der individuellen Ebene sichtbar zu machen. Für einen Paarvergleich können Sie eine Frau und einen Mann aus Ihrem Unternehmen auswählen, die eine gleiche oder eine gleichwertige Tätigkeit ausüben. Von diesen Personen benötigen Sie zur Überprüfung der Erschwernisvergütung folgende Daten:

  • Tätigkeiten
  • Entgeltgruppe
  • Belastungsarten, gegliedert nach physischen und psychischen Belastungen
  • Gezahlter Erschwerniszuschlag monatlich in €


Anwendungsbeispiele

Beispiel 1:
Verglichen wird die Zahlung von Zuschlägen  für eine Frau, die Leiterplatten von Hand bestückt, mit der eines Mannes, der Gießanlagen bedient. Beide sind gleich eingruppiert. Er erhält einen Erschwerniszuschlag, da seine Arbeit durch besondere (dynamische) Muskelbelastungen und erschwerende Umgebungsbedingungen geprägt ist. Die Frau erhält keinen Erschwerniszuschlag, obwohl an ihrem Arbeitsplatz besondere (statische) Belastungen der Muskeln sowie besondere Belastungen der Sinne und Nerven vorliegen.

 

Beispiel 2:
Der zweite Paarvergleich bezieht sich auf den Aspekt, ob bei gleichen Erschwernissen ein gleich hoher Erschwerniszuschlag gezahlt wird. Hier wird eine Frau, die eine einfache Montage von Bauteilen vornimmt, mit einem Mann verglichen, der komplexe Montagen von Bauteilen erledigt. Die Tätigkeit des Mannes ist höher eingruppiert als die der Frau. An beiden Arbeitsplätzen herrschen gleiche besondere Belastungen, für die ein Erschwerniszuschlag gezahlt wird. Jedoch erhält die Frau für die gleichen Belastungen einen geringeren Zuschlag als der Mann, da ihr Arbeitsplatz niedriger eingruppiert ist als der ihres männlichen Kollegen und die Berechnung des Erschwerniszuschlags als Prozentanteil an der Tabellengrundvergütung erfolgt.

Zwar verrichten die Frau und der Mann in Beispiel 2 weder gleiche noch gleichwertige Tätigkeiten, dennoch sind die Bedingungen ihrer Arbeit in Bezug auf die Kriterien für die Zahlung der Erschwerniszulage identisch. Auch in diesem Fall müsste das Entgeltgleichheitsprinzip beachtet werden und für beide Beschäftigten der gleiche Zuschlag für die gleiche Erschwernis gezahlt werden. Dies könnte dadurch erreicht werden, dass entweder ein fester Betrag für eine bestimmte Belastungshöhe gezahlt wird oder dadurch, dass sich der Belastungszuschlag immer als Prozentanteil an derselben Entgeltgruppe, z.B. der Eckentgeltgruppe, errechnet.

Ähnlich entschied das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein bereits im Jahr 1992 (1 Sa 39/92 vom 19.11.1992). Soldaten bei der Bundeswehr hatten Anspruch auf eine Zulage zum Ausgleich besonders belastender Rahmenbedingungen aufgrund von Sicherheitsbestimmungen. Die weibliche Schreibkraft, die ebenfalls diesen Bestimmungen unterlag, erhielt keine Zulage. Das Gericht erklärte jedoch die Tätigkeit der Soldaten und der Schreibkraft in Bezug auf die Anforderungen der Zulage für gleichwertig, so dass der finanzielle Ausgleich künftig auch an die Schreibkraft gezahlt werden musste.


Auch beim nachfolgenden Regelungs-Check geht es um die Definition von Erschwernissen, die zuschlagsberechtigt sind.