Paarvergleich zum Anforderungsbezogenen Grundentgelt

 

Paarvergleich zur Ist-Eingruppierung

Der Paarvergleich bietet die Möglichkeit, Ungleichbehandlung beim Grundentgelt auf der individuellen Ebene sichtbar zu machen. Er zeigt, wie Tätigkeiten nach den bestehenden (Tarif-)Regelungen bewertet und bezahlt werden. Für einen Paarvergleich sollten Sie Vergleichspersonen auswählen, die in der gleichen Entgeltgruppe sind oder allenfalls zwei Entgeltgruppen auseinander liegen, da in diesem Spektrum Gleichwertigkeit am wahrscheinlichsten ist.

Selbstverständlich können Sie auch die Tätigkeiten zweier Männer zum Vergleich heranziehen. Falls es keine geeignete Vergleichstätigkeit im Betrieb gibt, können im Falle von Branchentarifverträgen auch Tätigkeiten aus zwei unterschiedlichen Betrieben (innerhalb des Geltungsbereichs) verglichen werden. Bestehen getrennte Lohn- und Gehaltstarifverträge, können auch Tätigkeiten von Angestellten und Arbeiter/innen miteinander verglichen werden. Nach der geltenden Rechtsprechung ist entscheidend, dass beide Regelungen auf ein und dieselbe Quelle zurückzuführen sind, d.h. von denselben Tarifparteien oder Arbeitgebern geregelt wurden.

Für den Paarvergleich benötigen Sie Daten zu:

Anwendungsbeispiel

Paarvergleich zum anforderungsbezogenem Grundentgelt
(Bewertung-Ist)
In dem bereits oben erwähnten Fallbeispiel wird die Tätigkeit „Leitung der Küche“ von einer Frau, die Tätigkeit „Leiter der Werkstatt“ von einem Mann ausgeübt. Die Tätigkeit der Frau ist niedriger eingruppiert und bezahlt als die Tätigkeit des Mannes. Da vermutet wird, dass die Tätigkeit der Küchenleiterin unterbewertet ist, wird die Eingruppierung mit Hilfe des folgenden Paarvergleichs näher überprüft.

Der Paarvergleich zeigt, dass die höhere Eingruppierung der Tätigkeit der Werkstattleitung nur mit einer „besonderen Verantwortung“ begründet wird. Bei der Tätigkeit der Küchenleitung wird Verantwortung nicht bewertet, obwohl es sich ebenfalls um eine Leitungstätigkeit handelt. Diese Vergleichsbetrachtung gibt einen ersten Hinweis darauf, dass die Tätigkeit der Frau unterwertet ist. Sie lässt allerdings noch keine zuverlässige Einschätzung zu, ob die beiden Tätigkeiten tatsächlich gleichwertig sind. Hierzu dient der zweite „Paarvergleich zur Feststellung der Gleichwertigkeit von Tätigkeiten“.

 

Paarvergleich zur Feststellung der Gleichwertigkeit von Tätigkeiten (Bewertung-Soll)
Dieser Paarvergleich zur Feststellung der Gleichwertigkeit ist recht umfangreich. Deshalb wird der Übersichtlichkeit halber zunächst dargestellt, wie das Ergebnis dieses Paarvergleichs am oben entwickelten Beispiel des Vergleichs einer Küchenleitung und einer Werkstattleitung im Überblick aussehen kann.

 

Der beispielhafte Paarvergleich zeigt Folgendes:

Damit scheint sich der Anfangsverdacht bestätigt zu haben, dass die Tätigkeit der Küchenleiterin unterbewertet ist. Es wurden zahlreiche Indizien gefunden, die „Tatsachen glaubhaft machen, die das Vorliegen einer unmittelbaren oder mittelbaren Diskriminierung vermuten lassen“, wie es die Beweislastregelung der Richtlinie 2006/54/EG in Artikel 19 formuliert.

Zur Gewichtung der Anforderungsarten
Es ist darauf hinzuweisen, dass der Paarvergleich Gleichwertigkeit bereits eine innere Gewichtung der Kriterien enthält, da sich bei den vier Anforderungsbereichen unterschiedlich hohe Punktwerte erzielen lassen: Von den insgesamt 59 erreichbaren Punkten können 24 Punkte für „Anforderungen an Wissen und Können“, 14 Punkte für „psycho-soziale Anforderungen“, 12 Punkte für „Verantwortung“ und 9 Punkte für „physische Anforderungen“ erzielt werden. Die folgende Abbildung 11 gibt einen Überblick über die innere Gewichtung, indem sie die maximal erreichbaren Punkte und ihren jeweiligen Anteil am Gesamtwert bzw. der maximalen Gesamtpunktzahl zeigt.

 

Abbildung 11: Innere Gewichtung beim Paarvergleich zur Feststellung der Gleichwertigkeit


Zusätzlich kann noch eine „äußere“ Gewichtung der Anforderungsbereiche vorgenommen werden. Durch diese „lohnpolitische“ Entscheidung könnte sich - je nach Gewichtungsvariante - das Verhältnis der Wertigkeiten der beiden Arbeitsplätze zueinander noch einmal verschieben, und zwar in beide Richtungen. Hierzu zwei Beispiele (siehe auch Abb. 12):

Gewichtungsbeispiel 1:
Die physischen Anforderungen werden höher gewichtet als die anderen Anforderungsbereiche. Die Punkte für diese Anforderungen werden daher mit dem Gewichtungsfaktor 2 multipliziert. Das so gewichtete Gesamtergebnis der Bewertung wäre dann 6,6 Punkte für die Leitung der Küche und 6,8 Punkte für die Leitung der Werkstatt und hätte sich leicht zugunsten der Tätigkeit des Mannes verschoben.

Gewichtungsbeispiel 2:
Die Anforderungen an die Verantwortung werden höher gewichtet. Wird dieses Zwischenergebnis z.B. mit dem Gewichtungsfaktor 3 multipliziert, wäre das gewichtete Ergebnis dann 6,6 Punkte für die Leitung der Küche und 6,3 Punkte für die Leitung der Werkstatt. Das Ergebnis wäre eine höhere Wertigkeit der Tätigkeit der Frau.

 

Abb. 12: Varianten der äußeren Gewichtung beim Paarvergleich zur Feststellung der Gleichwertigkeit